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Heilbronn: Wie Experten die Folgen der Corona-Krise einschätzen

Heilbronner Unternehmensgruppe analysierte in vier Webinaren die Auswirkungen auf unterschiedliche Immobilien-Teilmärkte

Die Unternehmensgruppe Werner Immobilien, die auf Maklerdienstleistungen in den Bereichen Wohn-, Neubau- und Gewerbeimmobilien spezialisiert ist, hat in der Zeit von 15. April bis 6. Mai 2020 mit zwölf ausgesuchten Immobilienexperten aus ihrem Netzwerk vier hochkarätige Webinare durchgeführt. Ziel dieser Reihe war es, die Auswirkungen der Corona-Wirtschaftskrise auf die einzelnen Immobilien-Teilmärkte zu analysieren. Ein Überblick über die aktualisierten und zusammengefassten Aussagen:

Webinar I

Hotellerie, Einzelhandel und Gastronomie:
C. Buer, Foto: Sebastian Berger  
C. Buer, Foto: Sebastian Berger  
Professor Dr. Christian Buer (Experte für Hotellerie & Tourismusmanagement): „Vor der Krise hatten wir einen Wachstumsmarkt mit einer sehr stabilen Nachfrage, auch die Gastronomie konnte profitieren. Das Kapazitätswachstum in Heilbronn hat der Markt gut aufgenommen. Bis zum Ende des Jahres wird diese Nachfrage deutlich geringer sein. 25 Prozent der Gastronomiebetriebe werden vom Markt verschwinden. Der Hotelmarkt wird sich in 2021 erholen und in 2022 wieder normalisieren.“



      
T. Aurich 
T. Aurich 
Thomas Aurich (Gutachter, Gastronom und Dozent): „Erstmals in unserer Geschichte ist die Wildnis sicherer als die Zivilisation. Mehr denn je werden die Mutigen die wahren Gewinner der Krise werden.“





       
         
           
T. Gauß  
T. Gauß  
Thomas Gauß (Geschäftsführer Saemann und Vorsitzender der Heilbronner Kaufleute): „Bei vielen Einzelhändlern fiel nach dem Lockdown der Umsatz auf null, da es keine anderen Vertriebswege für sie gab. Auch nach der Wiedereröffnung bleibt es für den Einzelhandel schwierig, aufgrund der zahlreichen Sicherheitsvorschriften. Kreative Lösungen sind gefragt und die Solidarität der Menschen. Nur so werden die Städte von morgen noch attraktiv sein.“

Webinar II

Büro und Praxen:
D. Reinecker  
D. Reinecker  
Dirk Reinecker (Leiter Geschäftskunden BW-Bank Heidelberg, Heilbronn, Mannheim): „Nach dem Lockdown waren 70 Prozent unserer Mitarbeiter im Homeoffice. Alle digitalen Medien waren bereits vorhanden und wurden jetzt erstmals aktiv genutzt. Die aktuelle Umfrage unter 500 Kunden im Bereich Büro und Praxen ergab noch keine signifikanten Umsatzrückgänge. Sollten die strengen Hygienevorschriften länger aufrechterhalten werden müssen, wird dies sicherlich auch negative Auswirkungen haben.“

         

Wie Experten die Folgen der Corona-Krise einschätzen  Image 2
M. Werner 
Martin Werner (Immobilienökonom und Inhaber der Unternehmensgruppe Werner Immobilien): „Über Nacht hat die digitale Revolution in Deutschland Einzug gehalten. Sie wird den Büro- und Praxismarkt nachhaltig verändern. Moderne und flexible Büroflächen mit guter Infrastruktur werden zu den Gewinnern dieser Krise gehören. Durch neue Arbeitskonzepte werden mittelfristig 25 bis 30 Prozent der Büroflächen nicht mehr benötigt.“

Webinar III

Wohnen und Neubauprojekte
D. Buchta  
D. Buchta  
Dominik Buchta (Geschäftsführer Stadtsiedlung Heilbronn): „Die Außenwanderung (vom Ausland) und die Binnenwanderung nach Heilbronn haben zu einem kontinuierlichen Mietanstieg in den letzten Jahren geführt. Als größter Bestandshalter hat die Krise bisher noch keine gravierenden Auswirkungen auf unseren Wohnungsbestand. Anders sieht es bei unseren Gewerbevermietungen aus. Wunschpreise werden nur noch in Top-Lagen erzielbar sein. Die Menschen werden aufgrund der Krise ihr Geld eher zusammenhalten.“
    

         
D. Dombrowski, Foto: Dominik Hotzy  
D. Dombrowski, Foto: Dominik Hotzy  
Dirk Dombrowski (Leiter Privatkunden und Vermögensmanagement BW-Bank): „Wohnungsknappheit, niedrige Zinsen, Zuzug aus dem Ausland und ein stabiler Arbeitsmarkt sorgen für sehr gute Marktverhältnisse. Der Wunsch nach Eigentum und die Nachfrage nach Immobilienkredite ist bei der BW-Bank in Heilbronn nach wie vor groß. Die Prognoseunsicherheit ist derzeit ungewöhnlich groß. Die scharfe Rezession dürfte die Immobilienpreisentwicklung im laufenden Jahr belasten, das Niedrigzinsumfeld und die Attraktivität von Wohnimmobilien die Preise stützen. Wir erwarten, dass im Jahresverlauf die Belastungen dennoch zu einem Preisrückgang führen werden.“
   
       
         
M. Mann  
M. Mann  
Michael Mann (Prokurist und Leiter Projektentwicklung EPPLE Projekt GmbH): „Der Markt für Neubau-Wohnungen wird sich dahingehend verändern, dass die Qualität der Gesamtentwicklung für den Endkunden mehr in den Fokus rückt. Die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten der eigenen Immobilie gewinnen durch Corona wieder an Bedeutung.“

Webinar IV

Logistik, Lager & Produktion
P. Dufour  
P. Dufour  
Dr. Patrick Dufour (Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH): „Corona hat den Gewerbeimmobilienmarkt ganz erheblich ausgebremst. Die Nachfrage ist deutlich zurückgegangen. Vor elf Jahren, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, haben wir etwas ähnliches erlebt. Dieses Mal wird es vermutlich etwas länger dauern, bis es wieder bergauf geht, weil fast alle Branchen betroffen sind.“

   
         

          
A. Nehm, Foto: Klaus Gruber, dolphin photography 
A. Nehm, Foto: Klaus Gruber, dolphin photography 
Dr. Alexander Nehm (Geschäftsführer der Logivest Concept): „Im Bereich der Beratung stellen wir derzeit bei den Logistik-Dienstleistern und den verladenden Unternehmen einen deutlichen Nachfragerückgang fest. Besser sieht es im Lebensmittelbereich aus. Nach wie vor gibt es auf der Investorenseite genug Geld, das gut angelegt werden muss. Zur Risikominimierung konzentrieren sich die Investoren derzeit auf die großen sieben Städte. Auch bei der Entwicklung von Gewerbegebieten für Kommunen stagniert der Beratungsbedarf derzeit. Bekleidung und Fashion benötigen kurzfristig mehr Lagerflächen, da die Ware nicht zeitnah abverkauft wird. Im Automotive-Bereich gibt es noch keine negativen Auswirkungen im Lagerflächen-Bereich.“


         
H. Kressl
H. Kressl
Harry Kressl (Fachanwalt für Insolvenzrecht): „Wir haben den Kontakt zu den Banken im Sinne unserer Mandanten deutlich intensiviert. Für Unternehmen, die schon vor Corona Liquiditätsengpässe hatten, wird es sehr schwierig sein, an entsprechende KfW-Darlehen zu kommen. Insbesondere auch im Automotive-Bereich und hier bei den kleineren Zulieferern sehen wir deutliche Gefahren für Insolvenzen. Das Gleiche gilt auch für kleinere und mittlere Gastronomiebetriebe. Ich sehe die große Chance, dass insbesondere die großen Automobil-Unternehmen nicht nur Single-Source-Lieferanten ausbilden, sondern sich breiter aufstellen. Ich habe den Wunsch, dass die kleinen Zulieferer auch in normalen Zeiten nicht bis auf den letzten Cent ausgenutzt und an den Rand der Rentabilität gedrängt werden. So würde ihnen eine langfristige und nachhaltige Unternehmensentwicklung ermöglicht werden.“

B. Kazmaier
B. Kazmaier
Barbara Kazmaier (Mitglied der Geschäftsführung Werner Gewerbeimmobilien GmbH): „Die ersten Schritte zur Krisenbewältigung sind von den meisten Unternehmen vollzogen, eine strategische Neuausrichtung in unsicheren Zeiten ist erforderlich. Die von der Politik eingeleiteten Maßnahmen haben in vielen Branchen die unmittelbaren Folgen für die Unternehmen abgefedert. Soweit jedoch bereits vor der Pandemie sich Probleme in einzelnen Branchen abgezeichnet haben, wurden diese durch die Krise verschärft. Der Gewerbeimmobilienmarkt wird hierauf zeitverzögert reagieren.“ anz

        

Unternehmensgruppe

Sitz der Unternehmensgruppe Werner Immobilien ist in der Bahnhofstraße 1 am Neckarturm in Heilbronn. Zu ihr gehören die Werner Wohnimmobilien GmbH, die Werner Neubauimmobilien GmbH und die Werner Gewerbeimmobilien GmbH.

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